In der letzten Woche bin ich mal wieder in ein für mich sehr typisches Muster gefallen: Ich neige dazu, mir Sorgen zu machen, und zwar leider viel zu dolle Sorgen. Phasenweise bringt mich meine Angst um meine Pferde in echte Not. Dann kreisen meine Gedanken nur noch um das, was passieren könnte, und ich martere mich selbst damit, alles zu tun, um es zu verhindern (wohl wissend, dass das gar nicht in meiner Macht steht…)“ (Quelle: Wege zum Pferd, Blogartikel vom 7.6.2016)

Geht dir das auch so? Du bist damit nicht allein. Zu viele Sorgen um das geliebte Pferd sind DAS zentrale Problem vieler Pferdemenschen!

Pferde spüren die Sorgen des Menschen

Warum machen wir uns so große Sorgen ums Pferd?

Für das Wohlergehen eines Pferdes zu sorgen, kann sehr erfüllend sein – und auch zu einer großen Belastung werden. Wenn eine Krankheit sich an die andere reiht, die Tierarztrechnungen astronomisch hoch werden oder die Verständigung mit dem geliebten Tier immer schwieriger wird, geht uns die Freude am Pferd mitunter verloren.

Weil wir unser Pferd nicht aufgeben wollen und hoffen, dass es eines Tages wieder besser wird, strengen wir uns noch mehr an, holen weitere Experten dazu und verdoppeln unsere Bemühungen.

Ich kann ein Lied davon singen – oder ganze Arien. Nichts bringt mich so sehr an meine Grenzen, nichts geht mir so sehr an die Nieren wie ein krankes Pferd.

Egal, was das Problem genau ist, die Fragen sind immer die gleichen:

  • Was kann ich tun?
  • Ist das richtig, was ich tue?
  • Was wünscht sich mein Pferd?
  • Wird mein Pferd jemals wieder gesund / verhält es sich irgendwann wieder normal?

Wenn du dein Pferd liebst, ist es vollkommen klar, dass du dir Gedanken um sein Wohlergehen machst und alles daran setzt, dass es ihm gut geht. Aber musst du wirklich ALLES für dein Pferd geben …?

Wenn du dich für dein Pferd aufopferst und permanent über deine Grenzen gehst, wird die Sorge um dein Pferd zum Problem – und dann solltest du unbedingt etwas tun, um das zu beenden! Kein Pferd profitiert davon, wenn ein Mensch im Dauerstress ist und ihn die Versorgung kräftemäßig oder finanziell überfordert.

Nein, du musst dein Pferd nicht weggeben – es gibt bessere Wege, um aus dem ewigen sich-Sorgen-machen auszusteigen. Ich erkläre sie etwas später.

Vorher möchte ich deinen Blick gerne auf dein Pferd lenken, genauer gesagt darauf, wie deine Sorgen bei deinem Pferd ankommen:

Die Wirkung von Sorgen auf dein Pferd

„Ich weiß ganz genau, er lahmt nicht weniger dadurch, dass ich ihn sorgenvoll anstarre. Letztlich, was ändert meine Sorge? Sie belastet mein Pferd. Und kein Lebewesen möchte auf seine Krankheit reduziert werden.“ (Quelle: Wege zum Pferd, Kommentar zum Blogartikel vom 7.6.2016)

Wir wissen eigentlich, dass unsere Sorgen es nicht besser machen – und sorgen uns trotzdem. Wir wissen, dass unser Pferd uns lieber fröhlich und entspannt erlebt – und kommen einfach nicht aus dem Sorgenmachen heraus.

Sorgen können die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd sehr belasten:

Bei der Behandlung seiner Wunden mochte er nicht stillstehen und es wurde sogar so schlimm, dass er nahezu floh, als er mich mit meinem Putzkoffer in der Hand gesehen hat. Ich habe sehr darunter gelitten, dass er mich abwies, obwohl ich es doch nur gut mit ihm meinte.“ (Quelle: Wege zum Pferd, Kommentar zum Blogartikel vom 7.6.2016)

Wenn du gestresst bist, weil das Pferd „etwas hat“ und diesen Stress mit deinem Pferd bringst, reagiert dein Pferd darauf. Als sozial lebendes, sehr feinfühliges Wesen geht es dem Stress lieber aus dem Weg. Statt wie sonst freudig auf dich zuzulaufen, musst du es jetzt holen. Am Anfang ist es nur ein kleiner Unterschied, aber er lässt dich aufhorchen. „Mag mein Pferd mich plötzlich nicht mehr? Was hat es denn bloß?“

Dein Pferd merkt deine Sorgen sehr genau

Doch, dein Pferd mag dich noch. Es reagiert nur auf deine Stimmung. Statt Vorfreude mitzubringen kommst du immer öfter mit Sorgen und Anspannung. Das ist wenig attraktiv für dein Pferd – verständlicherweise. Und womöglich kommt dein Pferd dann selbst in Stress und erwartet von dir nichts Gutes.

Angespannter Mensch, angespanntes Pferd. Keine gute Kombination.

„Ja, aber du musst doch…“ denkst du dir, „mein Pferd braucht doch unbedingt seine antibiotische Augensalbe (oder was auch immer).“ Also beschließt du, die Situation schnell hinter dich zu bringen. Danach kannst du mit deinem Pferd ja noch etwas Schönes machen.

So zu denken ist menschlich – aber nicht sonderlich erfolgversprechend. Je schneller und mit je mehr Druck du die unangenehme Situation hinter dich bringen willst, desto größer wird das Problem. Du magst gedanklich schon dabei sein, mit deinem Pferd einen schönen Ausritt zu machen. Dein Pferd ist im JETZT. Und will so schnell wie möglich weg.

Kommt dir das bekannt vor?

So werden Sorgen ums Pferd zum Problem

Du kommst zum Stall – und dein erster Blick geht in Richtung Problem: Wie läuft mein Pferd heute? Hat es sich schon wieder alles aufgescheuert? Oder neue Bisswunden bekommen?

Ist es schlimmer oder besser als gestern? Hat die Behandlung schon angeschlagen? Was hat sich verändert?

Die Stallbesitzerin überfällt dich sofort bei deiner Ankunft mit den neuesten Entwicklungen: „Deine zickige Stute hat schon wieder alle vom Heu vertrieben! So geht das echt nicht weiter!“. Du möchtest gar nicht wissen, wo dein Blutdruck dabei landet …

Damit du mich nicht falsch verstehst: Das sind alles wichtige Fragen. Und natürlich ist es sinnvoll, aufmerksam hinzusehen und zu prüfen, wie es Pferden geht. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Und für dich vermutlich auch. Ich könnte hier genauso über die Menschen schreiben, die sich zu wenig um ihre Pferde kümmern und sich auch dann noch keine Sorgen machen, wenn das Pferd auf drei Beinen steht. Nur – und das weißt du so gut wie ich – die lesen solche Artikel nicht. Die haben nämlich keinen Leidensdruck.

Ich schreibe dieses hier für Menschen wie dich, die niemals in Gefahr kämen, sich zu wenig um ihre Tiere zu kümmern. Die immer erstmal die Tiere füttern und dann selbst etwas essen. Bei denen es im Stall aufgeräumter ist als im Wohnzimmer. Die einen Nebenjob annehmen, um ihrem geliebten zahnlosen Pferd das teure Spezialfutter zu finanzieren – denn es ist gar keine Frage, dass dieses Pferd weiterleben darf. Und nicht „ausgemustert“ wird, nur weil es kein Heu mehr kauen kann.

Gibt es noch etwas neben den Sorgen ums Pferd?

Ich möchte dich mit diesem Text nicht dazu auffordern, dich weniger um dein Pferd zu kümmern. Das würdest du ja ohnehin nicht tun. (Ich übrigens auch nicht!) Aber ich möchte dir einen Weg zeigen, mit dem es für dich leichter wird, was auch immer gerade das Problem sein mag. Denn, mal ehrlich: Muss der erste Blick, den du am Morgen auf dein Pferd wirfst, gleich voller Sorgen sein? Wo ist der Mensch in dir geblieben, der einfach nur darüber glücklich ist, sein Pferd zu sehen?

Übungen für die mentale Balance des Pferdes

In dir war doch einmal diese tiefe Freude darüber, dein Leben mit einem Pferd zu teilen, oder? Sonst wäre dieses Pferd doch gar nicht bei dir. Zwischen euch gibt es doch noch immer diese einmalige Verbundenheit, die kein Mensch ohne Pferd jemals verstehen kann. Kannst du dieses Gefühl bei dir noch erwecken oder ist es von deinen Sorgen gänzlich überlagert? Spätestens dann solltest du etwas ändern!

Für dich und dein Pferd. Hole dir die glücklichen Momente zurück! Ja, die kannst du auch in Krisensituationen entdecken. Ich zeige dir gerne, wie das geht!

Vorher möchte ich dir noch einen Punkt bewusst machen, der auch ein Auslöser für deine Sorgen sein kann:

Der Einfluss von Außen auf deine Sorgen

„Manchmal glaube ich, dass die ganze Informationsflut mir persönlich gar nicht gut tut.“ (Quelle: Wege zum Pferd, Kommentar zum Blogartikel vom 7.6.2016)

Wir alle sind permanent Informationen ausgesetzt. Und so hilfreich das Internet und seine Möglichkeiten auch sein mögen – wenn du ohnehin schon dazu neigst, dir viele Sorgen um dein Pferd zu machen, dann ist das Internet die beste Quelle für einen nie abreißenden Sorgenstrom.

Zu jedem Problem und jeder Verhaltensauffälligkeit findest du eine Fülle an Ratschlägen, Erfahrungen, Warnungen und Schauergeschichten – denn es gibt nichts, was es nicht schonmal bei jemand anderem gab.

Das ist natürlich hilfreich, wenn du wissen möchtest, welche Bremsenabwehrmittel am besten wirken – aber auch das kann nur eine Anregung sein, denn niemand kann dir sagen, was bei DEINEM Pferd gut helfen wird.

Es gibt keine Garantie dafür, dass die Erfahrungen von anderen dir beim Lösen deiner Probleme helfen. Dein Pferd ist ein Individuum, das seinen ganz eigenen Weg geht. Und du bist es auch. Von den Erfahrungen anderer zu profitieren kann dich sehr weiterbringen – aber auch noch mehr entmutigen.

Sorgen ums Pferd bei Facebook und Co

In den sozialen Medien tummeln sich sehr viele hilfsbereite Menschen – und viele, die zu allem einen kritischen, oft vernichtenden Kommentar schreiben, oft genug jenseits höflicher Grenzen. Ich zucke regelmäßig zusammen, wenn ich die Facebook-Posts von arglosen Pferdehalterinnen lese, die sich Hilfe und Unterstützung erhoffen – und in den Kommentaren regnet es Bewertungen und Verurteilungen … und nicht selten sogar den Rat, das Pferd doch lieber „sofort zu erlösen“.

Wenn ich so etwas lese, wird mir angst und bange. Was sind das für Menschen, die aufgrund eines einzigen Videos und der Geschichte dazu den Rat geben, das Leben eines Tieres zu beenden, das sie nie kennengelernt haben?

Nähe mit dem Pferd genießen

Wenn du aus der Sorgenspirale aussteigen möchtest, überlege dir gut, mit wem du über deine Sorgen redest und wo du dir Hilfe und Informationen zu deinem Problem besorgst. Es gibt Menschen, die achtsam, bewusst, konstruktiv und ermutigend auf dich und deine Situation eingehen. Ich kenne haufenweise solcher Menschen, es wird also auch in deinem Umfeld solche geben. Einer von ihnen sitzt hier und schreibt diese Zeilen – und schickt dir ganz viel Mut für deinen Weg mit deinem Pferd!

Tausche dich mit solchen Menschen aus. Lass‘ dich auf deinem Weg bestärken, nicht kleinkriegen.

Im Folgenden verrate ich dir meine Tipps für deinen Weg aus der Sorgenspirale:

Was dir bei zuviel Sorgen ums Pferd helfen kan

Auch wenn es sich für dich fremd anhören mag, lenke deinen Blick mal kurz von deinem Pferd weg – und zu dir hin: Deine Sorgen entstehen in dir – und nur dort kannst du sie auch lösen.

Möglicherweise findest du das ziemlichen Quatsch – schließlich bist du doch okay und dein Pferd hat das Problem, oder? Aber wenn das stimmen würde, müsste sich doch dein Pferd die Sorgen machen, oder?

Deine Sorgen entstehen aus der Art, wie du über die Situation denkst. Wenn du das Problem deines Pferdes schlimm findest, wirst du dir mehr Sorgen machen. Das Gleiche passiert oft, wenn es uns gerade ohnehin nicht gut geht. Wenn wir gestresst oder angespannt sind, fühlen sich die Probleme mit dem Pferd sofort größer an – und führen auch zu mehr Sorgen.

Sorgen haben kein „objektiv richtiges Maß“, sondern sind eine ganz individuelle Empfindung – die keineswegs immer gleich ist. An manchen Tagen belastet dich die Situation mit deinem Pferd mehr als an anderen. Daran erkennst du, dass die Sorgen um dein Pferd wirklich aus dir kommen.

Aber wenn ich wirklich Grund dazu habe, mir Sorgen ums Pferd zu machen?

Es wird in deinem Leben mit deinem Pferd mehr als eine Situation geben, in der sich vermutlich jeder, der dieses Pferd kennt, Sorgen machen würde. Sorgen sind absolut verständlich und ich plädiere hier auch ausdrücklich nicht dafür, sich niemals Sorgen über das Pferd zu machen!

Sorgen können aber zum Problem werden, wenn du in ihnen wie in einer Dauerschleife festhängst und sie zu deiner Normalität werden. Wenn du schon ALLES versucht hast, um deinem Pferd zu helfen oder eure Beziehung zu verbessern und es einfach nicht vorangehen will.

Oder wenn immer wieder etwas passiert, das deinen Sorgen ums Pferd neue Nahrung gibt. Kaum ist ein Problem überwunden, kommt schon das nächste angeflogen. Und die Freude mit dem Pferd gerät immer mehr in den Hintergrund …

Dann ist es höchste Zeit, etwas gegen deine Dauersorgen zu unternehmen – und zwar, indem du etwas in dir veränderst. Du bist in diese Dauersorgen „hineingerutscht“. Das hast du dir nicht bewusst so ausgesucht, es ist einfach passiert. Nur blöderweise hängen die Sorgen jetzt irgendwie in dir fest und haben eine Eigendynamik entwickelt.

Du wärest die dauernden Sorgen um dein Pferd gerne los, weil du merkst, dass sie weder dir noch deinem Pferd weiterhelfen – aber wie soll das gehen?

Geh‘ deinen Sorgen auf den Grund

Bei mir gab es einen Punkt, an dem ich von den Dauersorgen wirklich genug hatte, einfach nicht mehr konnte. Nach monatelangem Hoffen und Bangen um mein Pferd, ewigem Auf und Ab meiner Stimmung konnte ich meine Sorgen selbst nicht mehr aushalten – und war auch für meine Mitmenschen keine Freude mehr. Was mein Pferd von meinen ewigen Sorgen hielt, kannst du dir sicher vorstellen: nichts.

An diesem Punkt beschloss ich, den Gedanken wirklich einmal ganz aufmerksam zuzuhören, die permanent in meinem Kopf herumkreisten. Was ist der Kern meiner Sorgen? Was steht wirklich hinter ihnen?

Frage dich selbst: Was steht wirklich hinter meinen Sorgen um das Pferd? Was ist die Angst, die unter den Sorgen lauert?

Meine Antworten überraschten mich komplett. Es war nämlich gar nicht so, wie ich dachte – ich hatte gar keine Angst davor, dass mein Pferd nicht wieder gesund werden würde! Diesen Gedanken gab es zwar auch in mir, aber er machte mich nicht fertig. Ich konnte ihn zulassen, er beunruhigte mich nicht. Wenn es so wäre, dann hätte ich eben ein chronisch krankes Pferd. Dann wäre das eben so.

Ich würde mich trotzdem weiter um mein Pferd kümmern und es nicht im Stich lassen. Auch wenn manches dann vielleicht nie mehr möglich wäre, dann würde ich damit leben können. Das Wichtigste bliebe mir ja auch mit einem kranken Pferd erhalten: Eben das Pferd selbst! Ich liebe es ja nicht weniger, nur weil es krank ist! Und ist nicht die Liebe zum Pferd das eigentlich Entscheidende? Das, was mir auch die Kraft dafür gibt, mein Pferd durch schwierige Zeiten zu begleiten und für mein Pferd dazusein?

Eine spannende Erkenntnis über die ewigen Sorgen ums Pferd

Die Angst, mein Pferd zu verlieren, war also gar nicht der Grund für meine Sorgen. Das, was mich emotional wirklich aus der Bahn warf, war die Angst davor, von anderen Menschen verurteilt zu werden.Die kümmert sich nicht um ihr Pferd!“ oder „Ihr Pferd ist ja immernoch krank! Und die will anderen Menschen mit ihren kranken Pferden helfen? Die kriegt ja noch nichtmal ihr eigenes Pferd geheilt!

gemeinsam entspannen

Das waren die Sätze, bei denen es in mir richtig tief „Autsch!“ machte. Vor allem die letzten. Die trafen mich ins Mark. Und da half es mir auch nicht, mich daran zu erinnern, dass es dafür genügend Gegenbeweise gab: Menschen, die sehr froh über meine Tipps waren und deren Tieren sie sehr wohl geholfen hatten. Die fiese Stimme in mir gab keine Ruhe „Wer bist du denn mit deinem kranken Pferd, wem willst du denn helfen können …? Bring‘ doch erstmal deine eigenen Probleme in Ordnung bevor du meinst, anderen helfen zu können.

Damit war ich am Kern meiner Sorge angekommen. Bei meiner Angst davor, zu versagen. Nicht helfen zu können. Das war MEIN Thema. Und das hatte mit meinen Pferden nur wenig zu tun. Meine Pferde lösten die Sorgen in mir aus, aber sie waren nicht ihre Verursacher.

Und wie ist das bei dir? Was ist der Kern deiner Sorgen um dein Pferd?

Ein anderer Blick auf deine Sorgen ums Pferd

In meiner Erkenntnis konnte ich einen Schritt zurücktreten und mir die Situation mit meinen Pferden von außen ansehen. Dabei kam mir eine sehr entscheidende Frage in den Sinn: Wollte ich wirklich an meine Tiere die Erwartung stellen, immer gesund zu sein, damit ICH keine Angst mehr empfinden musste? Obwohl das ganz offensichtlich MEINE Angst war? Nein, sicher nicht. Diese Angst würde ich schon selbst angehen müssen, als MEIN Thema.

Meine Pferde gehen ihren eigenen Weg durchs Leben. Ich kann nicht mehr tun, als ihnen gute Bedingungen dafür zu schaffen. Den Raum zu geben, zu heilen. Die Entscheidung darüber treffen sie selbst. Es ist eben nicht etwas von außen, das heilt. Heilung kommt von innen. Das muss jedes Lebewesen selbst tun. Und mitunter dauert das eben seine Zeit.

Meine Aufgabe in dem Prozess ist nicht, mir Sorgen zu machen und alles Mögliche und Unmögliche zu veranstalten, um einem Zustand abzuhelfen. Mein Anteil daran ist, die Tür zur Möglichkeit der Heilung zu öffnen. Achtsam zu bleiben. Genau zu prüfen, welche Schritte für meine Pferde jetzt passen. Dem Prozess Zeit zu geben. Nicht auf Biegen und Brechen alles nur erdenklich Mögliche in die Wege zu leiten.

Was können wir in solchen Situationen tun?

Hier kommen meine Tipps für einen produktiven Umgang mit den Sorgen ums Pferd:

Erster Tipp: Achte auf deine Gedanken

Wie oft wertest du dich selbst dafür ab, dass es mit deinem Pferd ein Problem gibt oder es krank ist? Was denkst du darüber und wie sprichst du darüber? Wieviel von deiner Aufmerksamkeit kreist ständig um das Problem?

Den Blick vorwiegend auf die Disharmonie zu richten, erschwert die Heilung.

Deine Gedanken sind mächtiger als du denkst, denn aus ihnen entsteht Realität. Wann immer du sie auf das Negative richtest, auf Probleme und Schwierigkeiten und womöglich auch mit anderen darüber sprichst, gibst du dem Problem neue Kraft. Willst du das wirklich?

Energy flows, where the attention goes.“ Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wenn ich mit meinen Gedanken ständig um mein krankes Pferd kreise und mein erster Blick immer kontrolliert, wie es heute läuft, atmet oder frisst, dann beginnt die Begegnung mit meinem Pferd nicht neutral, sondern ist bereits von Sorgen und Stress überlagert.

Setze also bei deinen Gedanken an und erinnere dich immer wieder daran, wie machtvoll sie sind. Du kannst deine Gedanken steuern – oder dich von ihnen steuern lassen. Wenn du ohnehin ein empathischer Mensch bist, der dazu neigt, sich Sorgen zu machen, dann gehen deine Gedanken automatisch in die Sorge. Das kannst du ändern! Aber es erfordert dein aktives Handeln, das geht nicht von selbst.

Im Jin Shin Jyutsu, auch Strömen genannt, gibt es einige Selbsthilfegriffe, die du ganz leicht bei dir anwenden kannst, deine Sorgen zu harmonisieren. Dabei ist das Ziel nicht, Sorgen vollständig loszuwerden, sondern sie auf ein Maß zu bringen, mit dem du und dein Pferd gut leben können.

Zweiter Tipp: Komm‘ aus der Bewertung

Sorgen ums Pferd machen wir uns, wenn wir einen Zustand als problematisch bewerten. In vielen Fällen gibt es kein objektiv richtiges Maß dafür, wann Sorgen angemessen sind – und wann nicht.

Die Erfahrungen in deinem bisherigen Leben haben dich dahin gebracht, dir Sorgen zu machen. Das hast du dir nicht bewusst so gewählt, sondern es hat sich so entwickelt. Im Prinzip ist das aber kein MUSS, denn ein anderer Mensch würde auf deine Situation vermutlich auch anders reagieren – und sich vielleicht gar keine Sorgen machen, sondern optimistisch „das wird schon wieder!“ denken. Er kann sich irren, du aber auch.

Kannst du dir wirklich sicher sein, dass deine Sorgen 100 % berechtigt sind? Und auf jeden Fall das eintreten wird, was du befürchtest? Eigentlich nicht, oder? Es könnte ja durchaus sein, dass es sich in eine andere Richtung entwickelt als du angenommen hast. Dann wären deine Sorgen umsonst gewesen.

Pferd aus anderer Perspektive sehen

Unsere Sorgen beruhen oft auf der Einschätzung von anderen Menschen – und gar nicht auf unserer eigenen. Wer ist derjenige, der unser Pferd am besten kennt? Ist es angemessen, den Einschätzungen anderer zu folgen und sie sich zu eigen zu machen?

Der wichtigste Experte wird üblicherweise nicht befragt: das Pferd. Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, dass Pferde uns sehr genau übermitteln können, wie sie sich fühlen. Tatsächlich ist das aber sehr wohl möglich und es lohnt sich durchaus, mit dem Pferd intuitiv zu kommunizieren, um seine Expertensicht zu erfahren.

Falls das für dich nicht infrage kommt, probiere doch einmal aus, dein Pferd durch eine neutrale Brille zu betrachten statt durch die Brille deiner Sorgen. Wie geht dein Pferd mit seiner Situation um? Fallen dir Veränderungen auf? Was schließt du daraus? Kannst du dein Pferd neutral betrachten oder interpretierst du etwas in sein Verhalten hinein?

Dritter Tipp: Mache etwas Schönes mit deinem Pferd!

Heilungsprozesse und Veränderungen lassen sich nur bedingt beschleunigen. Wenn du deinen Teil dafür getan hast, deinem Pferd zu helfen, gönne dir und ihm wenigstens ein paar Minuten, in denen das Problem oder die Krankheit außen vor bleiben.

Neue Herausforderungen für das Pferd

Egal, was gerade ist, es gibt immer etwas Angenehmes, das du und dein Pferd miteinander erleben könnt. Auch wenn dein Pferd gerade keinen Schritt laufen kann, wirst du solche Möglichkeiten finden. Verbringe Zeit bei deinem Pferd, biete ihm Fellpflege an, Gekrault-Werden oder setze dich einfach nur zu deinem Pferd, in Ruhe. Ohne Absicht. Nur mit der Idee, bei ihm zu sein. Viele Pferde sind davon erstmal überrascht, weil sie das nicht kennen – Menschen kommen oft mit konkreten Absichten zu ihnen.

Solche gemeinsamen Momente ohne ein Ziel können für euch beide sehr verbindend sein und euch viel Kraft geben.

Vierter Tipp: Sprich nur mit Menschen über dein Pferd, die dir Mut machen

Überlege dir vor jedem Austausch mit einem anderen Menschen, was du wirklich brauchst: Suchst du Trost, Ermutigung oder einen fachlichen Rat? Ist dein Gegenüber in der Lage, neutral auf dein Thema zu blicken oder hängt dieser Mensch womöglich in eigenen, unverarbeiteten Erfahrungen fest?

Gerade unter Pferdemenschen wirst du viele finden, bei denen sofort eigene Ängste wach werden, wenn du von deinen Sorgen berichtest. Solche Menschen können dir bei deinen Sorgen nicht helfen, sondern machen es nur schlimmer, auch wenn sie es noch so gut meinen!

Du brauchst kein MitLEID, sondern echtes MitGEFÜHL! Mitleid zieht dich nur weiter in die Sorgenspirale hinein, genau das willst du nicht. Und es ist dein gutes Recht, dir genau zu überlegen, wer dir wirklich weiterhelfen kann – und wer eben nicht. Du darfst Gesprächen mit Menschen aus dem Weg gehen, die dir nicht gut tun.

Deine seelische Verfassung ist wichtig, also achte darauf, wer dich bestärken kann. Woher willst du sonst die Kraft nehmen, dich um dein Pferd zu kümmern? Wenn du also nicht um deinetwillen auf dich achten kannst, dann tue es wenigstens für dein Pferd!

Leider gibt es genügend Expert*innen, die eigene ungelöste Themen mit sich herumtragen – oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Die wenigsten von ihnen gehen mit ihren Worten bewusst und achtsam um. Schonungslose Ehrlichkeit kann hilfreich sein, aber auch höchst problematisch. Niemand kann dir mit 100% Sicherheit sagen, wie sehr dein Pferd unter seiner Situation leidet. In der Haut deines Pferdes steckt nämlich ausschließlich dein Pferd – der Blick von außen kann immer täuschen.

Wenn du ohnehin randvoll mit Sorgen bist und alles dafür tun möchtest, dass es deinem Pferd besser geht, gießen solche Worte noch mehr Öl in das brennende Feuer. Hilft dir das wirklich?

Fünfter Tipp: Tue etwas Gutes für dich!

Wenn dein Pferd krank ist, brauchst du Kraft, Mut und Durchhaltevermögen. Überlege also, was dir persönlich dabei hilft, in einen emotional guten Zustand zu kommen. Dein Pferd hat es verdient, von einem Menschen versorgt zu werden, der gut für sich selbst sorgt.

Vielleicht regt sich in dir erheblicher Widerstand, wenn du das liest. „Ich kann mich doch nicht um mich kümmern und mein Pferd vernachlässigen!“ – Nein, ums Vernachlässigen geht es auch nicht. Mir geht es um eine gesunde Balance zwischen deinen Bedürfnissen und denen deines Pferdes.

Mensch vor Sonnenblumen

Genauso sehr wie du dich um dein Pferd kümmerst, darfst du dich auch um dein eigenes Wohlbefinden sorgen. Oft braucht es nicht viel, um eine fühlbare Verbesserung zu erreichen!

Für mich gibt es in solchen Situationen nichts Besseres als Jin Shin Jyutsu, auch „strömen“ genannt. Wenige Minuten reichen mir, um meine innere Anspannung zu lösen, ruhiger zu atmen und aus der Sorgenschleife auszusteigen. Wenn ich emotional aufgelöst bin, ströme ich erstmal mich selbst – und danach mein Pferd.

Strömen ist aus meinen Leben nicht mehr wegzudenken!

Magst du das Strömen mal ausprobieren? Auf meinem Blog findest du ab dem 21. August 2022 zehn konkrete Vorschläge für ganz kurze Strömeinheiten, die dir schnell helfen können.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut für deinen Weg mit deinem Pferd und gute Unterstützung! Wenn du dir Unterstützung wünscht, bin ich gerne für dich da!

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Strömen in Notfällen bei deinem Pferd

Strömen in Notfällen bei deinem Pferd

So sehr ich dir wünsche, dass mit deinem Pferd immer alles glattläuft - den meisten Pferdebesitzer*innen ist das nicht vergönnt. Umso wichtiger ist es, sich darauf vorzubereiten, dass das geliebte Pferd plötzlich krank ist, einen Unfall hat oder du schlimmstenfalls...